Metzingen sucht Leselern-Paten

METZINGEN. Trotz und gerade wegen der Corona-Pandemie werden an der Sieben-Keltern-Schule jetzt Leselern-Paten gesucht: Menschen, die Freude am Lesen und am Umgang mit Kindern haben und einmal die Woche 45 Minuten mit einer Grundschülerin oder einem Grundschüler Texte lesen: einfache sachbezogene aus einer Kinderzeitung oder Abschnitte aus einem Buch. Und zwischendurch ein Spielchen, damit der Kopf der Kleinen nicht dauergefordert ist.

»Es gibt einen sehr großen Bedarf«, macht die kommissarische und designierte Schulleiterin Stephanie Püchner im Pressegespräch deutlich. Betroffen sind vor allem bildungsferne Familien, in denen sowieso wenig gelesen wird. Während der Schulschließungen in den Lockdowns ist noch mehr auf der Strecke geblieben. Auf 16 Leselern-Paten hofft Püchner, das wäre dann eine oder einer für jede zweite bis vierte Klasse – und zumindest ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Pate kann mehrere Kinder betreuen, wobei sich irgendwann ein Raumproblem ergibt. Die Erstklässler sind außen vor, weil sie Deutsch gerade erst lernen. In der 1:1-Betreuung durch die Paten trauen sich viele Kinder, die ihre Lücken vor versammelter Klasse nicht zeigen wollen, mehr zu offenbaren.

BEIM VEREIN MELDEN

07121 / 387-8446 kontakt@leselern-paten.org

Wer Leselern-Patin oder -Pate an der Sieben-Keltern-Schule werden möchte, kann sich telefonisch oder per E-Mail beim Verein Leselern-Paten Reutlingen melden. Dessen Geschäftsstelle ist dienstag vormittags besetzt, Bärbel Jedele leitet sie. Zu anderen Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet, auf dem Kontaktdaten hinterlassen werden können.

Dabei ist die Zweckpartnerschaft zwischen den Lebenserfahrenen, Ruhigen und Sachkundigen und den Jungen, Quirligen und Wenigwissenden keineswegs einseitig. »Die meist älteren Leselern-Paten haben eine große Freude daran, dass sie gebraucht werden«, sagt Stephan Kurz vom Verein Leselern-Paten Reutlingen, der kreisweit schon unzählige Patenschaften geknüpft hat.

Wie Renate Link, die mit jedem neuen Patenkind erst mal testet, wie weit die Lesefähigkeit und das Verständnis ausgeprägt sind. Dazu spricht sie mit jedem auch über die gelesenen Texte, um zu sehen, ob sie verstanden worden sind. Für jede Dreiviertelstunde zusammen gibt es einen Smiley in die Lesekarte, und wenn die voll ist, eine kleine Belohnung.

Die Leselern-Paten von morgen führen beim Verein in Reutlingen ein Einzelgespräch, machen einen Einführungskurs mit zwei Terminen à drei Stunden mit und kommen anschließend mit den Kindern in Kontakt. Ein Modell, das in Dettingen schon weit geführt hat. »Binnen drei Wochen haben sich elf Leselern-Paten gemeldet«, berichtet Kurz, »wir waren geflasht!« Sabine Jäger-Renner, die bei der Stadt Metzingen bürgerschaftliches Engagement koordiniert, zog den Verein in die Kelternstadt. Und hat trotz steigender Infektionszahlen schon Ehrenamtswillige im Boot: »Manche Menschen wollen, dass das Leben weitergeht.« (GEA)

Markus Pfisterer (pfi)