Verein „MENTOR -Leselern-Paten“ sucht dringend Unterstützer

Bericht RTF.1 – Regionalfernsehen

Mehr als sechs Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Die Weichen werden schon im frühen Alter gestellt. Der gerade erst veröffentlichte IQB-Bildungstrend zeigt eine dramatische Entwicklung im Bereich Lesen und Zuhören. Bereits seit 2016 vermittelt der Verein „Mentor“ Leselern-Paten an einzelne Grundschüler, um den Kindern den Spaß an Buchstaben und am Lesen zu vermitteln. Doch der Bedarf steigt und der Verein braucht dringend Unterstützung.

In der Stadt Reutlingen gibt es seit 2010 Leseförderungen an Schulen. Aus diesem ehrenamtlichen Engagement ist im Jahr 2016 der Verein „MENTOR – Leselern-Paten Reutlingen“ entstanden. Vereinsvorsitzender Stephan Kurz hat zum Pressegespräch geladen, um über die Vereinsarbeit zu informieren, aber auch um über besorgniserregende Entwicklungen zu berichten.

Situation ist schlechter als erwartet

„Es gibt eine dramatische Entwicklung am Bildungsmarkt. Die IQB-Studie des IQB-Bildungstrend hat gezeigt, dass die Leseleistung und das Leseverständnis sich nochmal gegenüber den Vorjahren dramatisch verschlechtert haben. Viel schlechter als erwartet. Und auch entgegen aller Bemühungen. Die Kultusministerkonferenz, die zur Einhaltung des Regelstandards zusammengetreten ist, hat hier nicht das Ziel erreicht, sondern deutlichst verfehlt“ so Kurz.

Die aktiven Mitglieder des Vereins, die sogenannten Leselern-Paten, betreuen im Schnitt 1,5 Kinder pro Woche. Welches Kind eine Förderung erhält, entscheiden die Klassenlehrer. Die Grundschüler werden dann für eine Schulstunde pro Woche einzeln von ihren Leselern-Paten betreut.

Tropfen auf den heißen Stein

„Wir haben mittlerweile 33 Schulen, die mit uns kooperieren. Wir haben 330 Mitglieder, 180 – 190 sind aktiv und fördern die Kinder an den Schulen. Üben dort lesen, üben dort Verständnis. Und wir wissen und spüren von den Kindern, auch von den Lehrern, dass die Kinder sukzessive immer besser werden. Aber es ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir haben etwa 1600 Kinder in der Region, die zu fördern wären, und wir fördern etwa 275″, so Kurz.

In die Zukunft investieren

Der Verein sucht daher dringend Unterstützer – entweder als aktive Leselern-Paten, als passives Vereinsmitglied oder als finanzieller Förderer. Dabei appelliert Verein auch an Unternehmer. Denn eines ist für Stephan Kurz sicher: Kinder ohne Förderung werden später sich nicht zu Fachkräften.

„Wir reden hier von jährlich etwa 1600 Kindern, die ohne Förderung keinen so guten Schulabschluss machen oder sogar Schulabrecher werden, das werden keine Fachkräfte. Und wenn man in dieser Situation ansetzt, man fördert diese Kinder ganz gezielt, hätte man zu PISA Zeiten 2003 angefangen, das wären heute alles Fachkräfte“, verdeutlicht Kurz.

Leselern-Patin: „Das ist für mich das Glück“

Als Leselern-Pate eignet sich jeder, der erwachsen ist und lesen kann. Eine beliebte Zielgruppe sind aber Personen im Alter Ü 60, da diese mehr Zeit haben und oftmals selbst viel Freude an der neuen Aufgabe haben. Wie Vereinsvorsitzende Christiane Seemann. Sie genießt es mit den Kindern zu arbeiten und sie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten, dabei an die Zukunft zu denken. Außerdem habe man bei dieser Tätigkeit keinen Erfolgszwang, betont sie.

„Ich muss keine Noten schreiben, ich muss keine Beurteilung abgeben über das Kind, sondern ich begleite das Kind. Wir arbeiten miteinandern, das ist für mich das Glück, das ist wirklich etwas Schönes“, schwärmt Seemann.

Die exklusive Zeit, die die Kinder mit den Leselernpaten verbringen, fördert zudem das allgemeine Selbstwertgefühl der Kinder und kann viel verändern.

Wenn Sie mehr über den Verein MENTOR erfahren oder selbst aktives oder passives Mitglied werden wollen, können Sie sich unter www.leselern-paten.org weitergehend informieren.