Die ZEIT wartet heute mit einer Reportage zum Thema Lesekompetenz in der Schule auf.
Im Fokus stehen die Achtklässler (15-Jährigen) einer Realschule in Köln. Nur zwei Elternhäuser der Klasse sind ohne Migrationshintergrund. Die interviewten Schülerinnen und Schüler verbringen zum Teil mehr als fünf Stunden täglich am bzw. vor dem Bildschirm. Die mangelnde Basis bei Wortschatz und Sprachkompetenz sowie die begrenzte Aufmerksamkeitsspanne sind die Hauptgegner für mehr und sinnerfassendes Lesen.
Zum Schluss kommt der Lehrer für praktische Philosophie zu Wort und führt Platon als Quelle der Weisheit an:
Er meint den Dialog Phaidros. Darin erzählt Sokrates vom ägyptischen Gott Theuth, der die Schrift erfindet. Mit seinem Werk eilt Theuth zu König Thamus, um ihm die frohe Botschaft mitzuteilen. Thamus aber antwortet: »Diese Erfindung wird in den Seelen derer, die sie erlernen, Vergesslichkeit bewirken, weil sie ihr Gedächtnis nicht mehr üben.«
Zu Zeiten, in denen vormals alles Wissen in mündlicher Rede weitergegeben wurde, war die Schrift natürlich ein gewaltiger Umbruch. Und die Fähigkeit, sich gewaltige Stoffmengen, Versepen wie Ilias und Odyssee, im Gedächtnis zu speichern und wiederzugeben, ließ entsprechend nach.
Aber soll dieser Umbruch nun wieder umgekehrt vonstattengehen?
Mit Gehirnen, die mit „Schnipseln“ aus dem Netz zugekleistert sind, doch wohl ganz sicher nicht. Und auch nicht mit „Kunstsprachen“ wie dem Szene-Sprech der Gen-Z-Jugendlichen, der drei Jahre später von den Jüngeren schon wieder als veraltet wahrgenommen wird.
Was entnehmen wir dem Artikel als mögliche Anregung für unsere Arbeit?
Es ist fast wie bei der Heilsarmee: Um jede verlorene Seele gilt es zu kämpfen.
Und: Neben dem Lesenüben mit den Schülern erscheint die Vorbildrolle des Vorlesers nach wie vor sehr wichtig. Beim gemeinsamen Lesen kann so überhaupt erst ein zusammenhängendes Stück Text vollständig „im Raum stehen“, über das anschließend auch gesprochen werden kann. Das erscheint mir beim „mühevollen Lesenlernen“ der Kinder manchmal nicht so gut möglich zu sein.
Klaus Bendziula, Koordinator Aichtal
