Ein Junge liegt auf seinem Bett und liest in einem Buch

Lesen macht stark – ein Leben lang

Dass Lesen gut tut, ahnen wir alle. Jetzt ist es auch wissenschaftlich gut belegt: Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Psychological Medicine hat zahlreiche Studien ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig. Wer freiwillig und gern liest, kann sich besser konzentrieren, erinnert sich besser und fühlt sich weniger gestresst. Das gilt in jedem Alter.

Kinder profitieren besonders

Eine große US-Studie hat über 10.000 Kinder im Alter von 9 bis 11 Jahren begleitet. Kinder, die früh aus eigenem Antrieb lasen, zeigten als Jugendliche mehr Aufmerksamkeit, bessere Selbstbeherrschung und ein stärkeres Arbeitsgedächtnis. Sie hatten seltener Stress und depressive Verstimmungen, schliefen mehr und verbrachten weniger Zeit vor Bildschirmen. Sogar in ihrem Gehirn zeigten sich Unterschiede: Die Bereiche für Sprache, Denken und Gefühle waren größer ausgebildet. Das Elternhaus spielte dabei keine Rolle, denn der Vorteil zeigte sich unabhängig vom Einkommen der Familie.

Geschichten schulen das Einfühlungsvermögen

Vor allem Romane wirken wie ein Training für das Miteinander. Wer liest, erlebt andere Leben mit und lernt, sich in andere hineinzuversetzen. Schon 30 Minuten Lesen pro Woche reichen: Zwei Drittel der Befragten berichteten danach von mehr Einfühlungsvermögen.

Ein Schutz bis ins hohe Alter

Auch im Alter lohnt sich jede Seite. Mehrere Langzeitstudien fanden bei Menschen, die regelmäßig lesen, ein um rund ein Drittel geringeres Risiko für Alzheimer und Demenz. Lesekreise helfen zusätzlich gegen Einsamkeit.

Und die schlechte Nachricht?

Laut aktuellem PISA-Bericht sinkt die Lesekompetenz der 15-Jährigen weltweit, vor allem wegen digitaler Ablenkung. Das Buchformat ist dabei nicht entscheidend: Gedrucktes Buch, E-Reader oder Comic sind alle gleich gut. Wichtig ist, dass Kinder Freude am Lesen haben. Hilfreich sind Geschichten, die zu ihren Interessen passen, etwa zur Lieblingsserie oder zum Lieblingsspiel.

Die Forscher nennen Lesen einen der einfachsten und günstigsten Schutzfaktoren für ein ganzes Leben. Genau hier setzen unsere Leselern-Paten an: Sie wecken bei Kindern die Freude an Büchern und legen damit den Grundstein für alles, was die Wissenschaft beschreibt.

Quelle: BIERMANN MEDIZIN, 23.09.2026, auf Grundlage einer Übersichtsarbeit in „Psychological Medicine“

Jutta Weckherlin